Die Forderung nach aufrichtiger Information für eine vertrauensvolle Demokratie

Das Aussetzen einem gemessenen sozialen Engagement erhöht die Anfälligkeit für Desinformationen

28/07/2020

Synthese eines wissenschaftlichen Artikels, die von der Fondation Descartes hergestellt wurde:

Avram, M., Micallef, N., Patil, S., & Menczer, F. (2020). Exposure to Social Engagement Metrics Increases Vulnerability to Misinformation. The Harvard Kennedy School Misinformation Review.

Beeinflusst die Anzahl von „Gefällt mir“ oder „Teilen“, die ein auf unserem Facebook- oder Twitter-Newsfeed erscheinender Artikel erhält, das Vertrauen, das wir ihm gewähren? Bringt uns eine große Anzahl solcher Anzeichen von positivem Engagement für einen Artikel dazu, ihn wiederum mit „Gefällt mir“ zu markieren oder zu teilen?

Das sind die Fragen, die die Autoren dieser Studie beantworten wollten. Zu diesem Zweck analysierten sie Daten von Spielern von Fakey, einem Spiel, das einen Facebook- oder Twitter-Newsfeed simuliert. Die Spieler haben die Möglichkeit, jeden in ihrem Newsfeed erscheinenden Artikel zu teilen, mit „Gefällt mir“ zu markieren, „nachzuprüfen“ [Faktencheck] oder „überzuspringen“ [skip]. Vor dem Spiel wird Folgendes den Spielern mitgeteilt. Das Teilen eines Inhalts bedeutet, dass sie in allen Punkten damit einverstanden sind. Mit „Gefällt mir“ zeigen sie, dass sie dem Inhalt zustimmen. Und mit dem Faktencheck weisen sie darauf hin, dass der Inhalt möglicherweise nicht zuverlässig ist. Auf dem Spieler-Newsfeed stammt die Hälfte der Artikel aus zuverlässigen Quellen, und die andere Hälfte aus wenig glaubwürdigen Quellen [low-credibility media sources]. 1

Die Autoren analysierten das Verhalten von etwa 8600 Spielern über einen Zeitraum von 19 Monaten (vom Mai 2018 bis November 2019). Ihnen wurden mehr als 120 000 Artikel vorgestellt. 78% der Spieler wohnten in den Vereinigten Staaten.

Wie erwartet, befürworten Spieler mit größerer Wahrscheinlichkeit Inhalte, die weithin mehr „Gefällt mir“ erhalten haben oder mehr geteilt wurden, als Inhalte, die keine besondere Sichtbarkeit hatten. Das Engagement von Dritten scheint also als Glaubwürdigkeitsindex für die Benutzer sozialer Netzwerke zu gelten, die dann eher dazu neigen, den Post wiederum zu teilen. Die Autoren stellen fest, dass die meisten Desinformationskampagnen sich diesem Phänomen zu Nutze machen, indem sie Bots einführen, um ihre Inhalte mit „Gefällt mir“ zu markieren und zu teilen.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass Plattformen die Anzeige des Engagements der Benutzer für Inhalte, die in sozialen Netzwerken kursieren, überdenken sollten, damit sie die Verbreitung von Desinformationen nicht mehr begünstigt und die Verbreitung zuverlässiger Informationen nicht verhindert.

  1. Die Autoren weisen darauf hin, dass dieses Verhältnis zwischen zuverlässigen und unzuverlässigen Artikeln nicht darauf abzielt, realistisch zu simulieren, was in sozialen Netzwerken beobachtet wird, sondern dass es eine bessere Einschätzung des Verhaltens ihrer Benutzer ermöglicht. []
Thematisch :  Soziale Medien  
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Ausgabe :  Misinformation Review (Harvard Kennedy School)  
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Land :  Vereinigte Staaten 
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Sprachen :  Englisch 
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