Die Forderung nach aufrichtiger Information für eine vertrauensvolle Demokratie

2021 Digital News Report

Der Jahresbericht des Reuters-Instituts bietet einen detaillierten Überblick über den Medienkonsum in der Welt. Die Studie umfasst ein Panel von 92.000 Individuen in 46 Ländern. In diesem Jahr untersucht der Bericht die Auswirkungen von Covid-19 auf den Medienkonsum und die Verbreitung falscher Informationen. Der thematische Schwerpunkt liegt dabei auf der lokalen Presse und dem Zugang zu Nachrichten in den sozialen Netzwerken. Weiterhin werden die Veränderungen bei den Geschäftsmodellen von Online-Zeitungen und die Voraussetzungen des Medienvertrauens (Meinungsvielfalt, Billigkeit, Unparteilichkeit) untersucht.

Der Bericht betont, dass das durchschnittliche Vertrauen in Mediennachrichten im Vergleich zum Vorjahr um 6% gestiegen ist und in den 46 untersuchten Ländern 44% erreicht hat. Hinter diesem allgemeinen Vertrauensniveau verbergen sich jedoch große Unterschiede. Das Vertrauen in Informationen aus sozialen Netzwerken ist nämlich im Vergleich zum Vorjahr relativ gering geblieben (24%), während das Vertrauen in die von den Befragten genutzten Medienkanäle leicht gestiegen ist (50% der Befragten). Der Bericht zeigt, dass die Bürger denjenigen Informationsquellen am meisten vertrauen, die historisch dafür bekannt sind, genaue und zuverlässige Informationen zu liefern.

Frankreich beschließt auch in diesem Jahr den Reigen mit einer Vertrauensrate von 30% – ähnlich wie die Vereinigten Staaten, wo das Vertrauen am geringsten ist, die Slowakei und Ungarn – gegenüber 65% in Finnland und 53% in Deutschland. Obwohl das Vertrauen der Franzosen in die Medien nach wie vor sehr gering ist, ist es im Vergleich zu 2020 um 7 % gestiegen. Die lokale und regionale Presse ist nach Ansicht der Franzosen nach wie vor die zuverlässigste Informationsquelle (64% vertrauen ihr).

In Westeuropa nahm während der Pandemie der Konsum von Informationen aus als zuverlässig erachteten Quellen (aus den traditionellen Medien) generell zu. In anderen Ländern, in denen weniger über die Gesundheitskrise berichtet wurde, profitierten die Medien jedoch nicht von dieser Dynamik.

Die Vereinigten Staaten sind insofern einzigartig: Bei den Republikanern ist das Interesse an Nachrichten seit Joe Bidens Wahl drastisch zurückgegangen. Der Anteil der Republikaner, die sich sehr für das Zeitgeschehen interessieren, ist von 74% im Jahr 2020 auf 57% im Jahr 2021 gesunken. Im Lager der Demokraten gab es keinen signifikanten Rückgang.

Insgesamt haben die Fernsehnachrichten in den meisten Ländern weiterhin gute Einschaltquoten, auch wenn der Anteil der Bevölkerung, der angibt, seine Nachrichten über diesen Kanal zu beziehen, jedes Jahr abnimmt (in Frankreich ist diese Zahl von 84% im Jahr 2013 auf heute 68% gesunken, im Vereinigten Königreich von 79% auf 60%). Allerdings hat die Gesundheitskrise dem Fernsehen einen leichten Schub gegeben. In Frankreich sind die drei wichtigsten angegebenen offline Informationsquellen Fernsehsender: BFM TV (von 40% der Befragten angegeben), dann France Télévisions und TF1. CNews steht an fünfter Stelle: 19% der Franzosen geben an, den Sender mindestens einmal pro Woche zu schauen. Im Internet sind die drei wichtigsten Informationsquellen 20 minutes online (18% der Befragten), die lokale und regionale Presse und Le Monde online.

Die aufeinanderfolgenden Lockdowns in den Jahren 2020 und 2021 haben den digitalen Wandel der wichtigsten Printzeitungen beschleunigt. Dieser Trend wird durch die Zunahme der Abonnements von Online-Zeitungen bestätigt, auch wenn der Prozentsatz der Abonnenten weiterhin gering ist (17% – 2% mehr als im Vorjahr). In Frankreich haben 11% der Bevölkerung eine Online-Zeitung abonniert (dieselbe Zahl wie 2016), im Vergleich zu 21% in den Vereinigten Staaten (9% im Jahr 2016) und 45% in Norwegen (27% im Jahr 2016). In den meisten westlichen Ländern (nicht aber in den Vereinigten Staaten) entfällt der Großteil der Online-Abonnements auf die traditionelle nationale Presse.

Schließlich bemerken die für diese Studie befragten Individuen eine leichte Zunahme der Verbreitung irreführender und fehlerhafter Informationen [misinformation} im Jahr 2021. Diese Wahrnehmung ist jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich. So sind beispielsweise 82% der Brasilianer über die Verbreitung falscher Nachrichten besorgt, im Vergleich zu 37% der Deutschen. Insgesamt geben 54% der Befragten an, mit irreführenden Informationen über Covid-19 konfrontiert worden zu sein, 43% über bestimmte politische Themen und 20% über den Klimawandel. Politiker werden von den Befragten als wichtigste potenzielle Quelle falscher oder irreführender Informationen genannt (29% von ihnen). Dies gilt insbesondere für Brasilien, Spanien, Polen und Niger. Facebook wird mit 28% der Antworten als die Online-Plattform mit dem größten Potenzial für falsche Informationen genannt. Es folgen dann Online-Nachrichtendienste (15%), Suchmaschinen (7%), YouTube (6%) und Twitter (6%).

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