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Gesundheitskrise, terrorismus und Donald Trump: ein verschwörungscocktail

16/11/2020

Synthese eines wissenschaftlichen Artikels, die von der Fondation Descartes hergestellt wurde:

« Crise sanitaire, terrorisme et Donald Trump : un cocktail conspirationniste ». Fondation Jean-Jaurès, 16 novembre 2020, https://jean-jaures.org/nos-productions/crise-sanitaire-terrorisme-et-donald-trump-un-cocktail-conspirationniste.

Dieser Bericht von Antoine Bristielle und Tristan Guerra für die Fondation Jean Jaurès liefert neue Daten zum Verständnis des Erfolgs von Verschwörungstheorien in Frankreich und in der Welt.

Zunächst betonen die Autoren, dass Krisenzeiten, wie wir sie heutzutage erleben (Pandemie und Terroranschläge) die Entwicklung von Verschwörungstheorien besonders begünstigen. Verschwörungstheorien liefern nämlich eine vereinfachende Erzählung über den Ursprung und die Folgen der Krise, die denjenigen, die daran glauben, die Illusion vermitteln kann, die Situation wirklich zu verstehen. Indem eine komplexe Wirklichkeit auf diese Weise leicht verständlich gemacht wird, können Verschwörungstheorien für einen Teil der Bevölkerung beruhigend aussehen. Außerdem dienen Verschwörungstheorien auch als Mittel zur politischen Mobilmachung, indem sie der Bedrohung ein Gesicht geben: das der vermeintlichen Verantwortlichen für die Krise. Die jüngsten Anti-Masken- und Anti-Impf-Bewegungen veranschaulichen dieses Phänomen nur allzu gut.

Der Bericht von Bristielle und Guerra stellt drei Faktoren vor, die das Glauben an Verschwörungstheorien erklären: die Rolle der sozialen Netzwerke und des Fernsehens, die mangelnde Ausbildung und das Misstrauen gegenüber Institutionen. Anhand von Daten einer früheren Umfrage der Fondation Jean Jaurès zeigen die Autoren des Berichts, dass die Individuen, die sich lieber durch das Fernsehen informieren, mehr Verschwörungstheoretiker sind als diejenigen, die sich hauptsächlich durch das Radio und die gedruckte Presse informieren. Das Fernsehen, und insbesondere bestimmte Informations- und Unterhaltungskanäle, könnten also eine Rolle bei dem Glauben an Verschwörungsideen spielen. Den Umfragedaten zufolge wären die Benutzer sozialer Netzwerke auch sensibler für Verschwörungstheorien als andere. Laut Bristielle und Guerra sind soziale Netzwerke mitverantwortlich für den Erfolg von Verschwörungstheorien, insbesondere weil die von ihnen geförderten Inhalte nach einem Popularitätskriterium beworben werden. Da Verschwörungstheorien jedoch in Krisenzeiten besonders beliebt sein können, würden soziale Netzwerke ihnen einen unerwarteten Resonanzboden bieten.

Während mehr Regulierung in sozialen Netzwerken dazu beitragen könnte, die Verbreitung von Verschwörungsinhalten zu bremsen, weisen die Autoren des Berichts darauf hin, dass sich eine solche Maßnahme auch als kontraproduktiv erweisen könnte, indem sie den Eindruck verstärkt, dass Verschwörungstheoretiker zum Schweigen gebracht und abweichende Stimmen erstickt würden. Außerdem behaupten Bristielle und Guerra, dass Individuen auf lange Sicht immer neue Plattformen finden werden, um ihre Verschwörungstheorien auszutauschen. Daher meinen die Autoren, dass die Regulierung sozialer Netzwerke nicht die Hauptantwort zur Verschwörung sein kann.

Die Autoren des Berichts betonen auch, dass die am wenigsten gebildeten und jungen Menschen am anfälligsten für Verschwörungstheorien zu sein scheinen. Die Entwicklung von Medienerziehung, eine Ausbildung, die darauf abzielt, die kritischen Fähigkeiten der Schüler zu stärken, könnte also eine Antwort auf den Erfolg von Verschwörungstheorien sein. Aber auch hier kann diese Antwort nicht ausreichend sein. Die Daten aus der analysierten Umfrage zeigen nämlich, dass das Misstrauen gegenüber Institutionen eine große Rolle bei der Zustimmung zu Verschwörungstheorien spielt. Laut den Autoren gibt es zahlreiche Ursachen für dieses Misstrauen: „die Trennung zwischen dem Ausmaß der Wahlversprechen und dem Mangel an politischem Handlungsspielraum der nationalen Regierungen, das Gefühl existenzieller Unsicherheit in einer Welt, in der die verschiedenen staatlichen Schutzvorkehrungen verschwinden, das Problem der Vertretung innerhalb der Institutionen der Fünften Französischen Republik, die Entheiligung der Politik in den alten und neuen Medien“.

Bristielle und Guerra kommen zum Schluss, dass es für eine wirksame Bekämpfung der Verschwörung zunächst notwendig ist, die Ursachen des Misstrauens eines Teils der Bevölkerung gegenüber den Institutionen anzugehen. Eine solche Antwort kann nur politisch sein. Ohne diese Relegitimierungsarbeit der Institutionen, plädieren die Autoren, werden die Medienerziehung und die Regulierung von Plattformen keine überzeugenden Ergebnisse hervorbringen können.

Land :  France 
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Sprachen :  Französisch 
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